
Soundtracks, die man nicht vergisst
Gute Musik in einem Spiel kann viel mehr, als nur Stille zu füllen. Sie kann dafür sorgen, dass man mit den Charakteren mitfiebert, die Spannung vor einem Bosskampf verstärken, eine einfache Fahrt durch die offene Welt zu einem eigenen Abenteuer machen oder eine bestimmte Melodie für immer mit einer Lieblingsszene verbinden.
In dieser Top-Liste findest du Spiele, in denen der Soundtrack zu einem vollwertigen Teil des Spielerlebnisses geworden ist. Hier gibt es atmosphärische Kompositionen, kraftvollen Rock und Elektronik, orchestrale Themen und Musik, die so gut funktioniert, dass man sie auch außerhalb des Spiels hören möchte.
Silent Hill 2
Komponist: Akira Yamaoka
Musikgenre: Trip-Hop, Alternative Rock, Industrial, Ambient
Die Musikbegleitung von Silent Hill 2 ist absolute Klassik, die weit über die Grenzen von Videospielen hinausgeht. Akira Yamaoka mischte gekonnt Gitarrenrock, kalten Industrial, Trip-Hop und beunruhigenden Ambient und erschuf einen Sound, den man praktisch mit nichts anderem verwechseln kann.
Besonders beeindruckend sind die Kontraste. Die melancholischen Gitarrenparts in Theme of Laura und Promise vermitteln Einsamkeit, Sehnsucht und inneren Schmerz, und dann wechselt die Musik plötzlich zu Lärm, Kreischen und Dissonanzen. Diese klanglichen Übergänge funktionieren fast wie eine Fortsetzung des psychologischen Zustands von James – manchmal macht die Musik Angst, noch bevor auf dem Bildschirm etwas wirklich Furchterregendes erscheint.
Journey
Komponist: Austin Wintory
Musikgenre: Symphonische Klassik, interaktives Orchester
Journey ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Musik eine Geschichte praktisch ohne Worte erzählen kann. Der Soundtrack von Austin Wintory wurde als erste Musik für ein Videospiel für einen Grammy nominiert, und diese Auszeichnung ist durchaus erklärbar: Die Kompositionen sind hier kein Hintergrund, sondern eines der Hauptwerkzeuge der Erzählung.
Die Hauptrolle spielt das Cello, das praktisch die musikalische Stimme des Helden ist. Im Laufe der Reise verändert sich der Klang zusammen mit dem Geschehen auf dem Bildschirm: ruhige und leichte Themen verwandeln sich allmählich in großangelegte Orchesterkompositionen. Dadurch fühlt sich selbst die einfache Bewegung durch die Wüste wie Teil einer großen und emotionalen Reise an.
Disco Elysium
Komponisten: British Sea Power (Sea Power)
Musikgenre: Indie-Rock, Post-Rock, Ambient
Der Soundtrack von Disco Elysium ergänzt perfekt die dekadente, von Alkohol, politischen Streitigkeiten und Erinnerungen durchtränkte Welt von Revachol. Die Musik der britischen Band Sea Power erzeugt das Gefühl einer Stadt, die bessere Zeiten gesehen hat, aber nun langsam versucht herauszufinden, wie es weitergehen soll.
Die traurigen Gitarren, hypnotischen Keyboards und schleppenden Post-Rock-Kompositionen funktionieren besonders gut während der Erkundung von Martinaise. Die Musik versucht nicht, ständig auffällig zu sein – im Gegenteil, sie klingt oft unaufdringlich genug, um sich allmählich in die Atmosphäre des Spiels einzuschleichen. Aber sobald man eine vertraute Komposition separat hört, tauchen wieder das graue Revachol und seine kaputten Straßen vor dem inneren Auge auf.
Final Fantasy XV
Komponisten: Yoko Shimomura, Keiichi Okabe u.a.
Musikgenre: Symphonisches Orchester, Opernrock, Jazz, Blues
Yoko Shimomura schuf für Final Fantasy XV ein großangelegtes musikalisches Gemälde, das sich ständig zusammen mit der Stimmung des Spiels verändert. Hier gibt es majestätische orchestrale Themen, dramatische Kompositionen und Musik, die die Reise einer Gruppe von Freunden unerwartet in ein fast gemütliches Roadtrip-Abenteuer verwandelt.
Einer der Hauptvorzüge des Soundtracks ist seine Vielfalt. Somnus setzt sofort den tragischen und epischen Ton der Geschichte, und während der Fahrten im Regalia erklingen leichtere Kompositionen, die es einem erlauben, einfach die Straße zu genießen. Dadurch unterstreicht die Musik nicht nur den Umfang der Ereignisse, sondern auch die Freundschaft zwischen Noctis, Ignis, Gladiolus und Prompto.
Clair Obscur: Expedition 33
Komponisten: Lorien Testard (unter Beteiligung von Alice Duport-Percier)
Musikgenre: Neoklassik, Barock, Operngesang
Clair Obscur: Expedition 33 zeigt, wie ausdrucksstark ein moderner Soundtrack sein kann, wenn man die Musik nicht nur zur Begleitung, sondern zum Teil des künstlerischen Stils des Spiels macht. Lorien Testard schuf eine ungewöhnliche Partitur, inspiriert vom französischen Barock, klassischer Musik und der Ästhetik der Belle Époque.
Einen besonderen Platz nehmen die Vokalstücke mit Beteiligung von Alice Duport-Percier ein. Ihre Stimme verleiht der Musik das Gefühl von etwas gleichzeitig Schönem und Beunruhigendem. Streicher, Klavier und Gesangsparts balancieren ständig zwischen Zerbrechlichkeit und Dramatik, was perfekt zu den zentralen Themen des Spiels passt – Zeit, Erinnerung, Tod und der Versuch, wenigstens eine Spur von sich zu hinterlassen.
Cyberpunk 2077
Komponisten: P.T. Adamczyk, Marcin Przybyłowicz
Musikgenre: Industrial-Techno, Synthwave, Cyberpunk-Rock
Night City ist ohne seine Musik nicht vorstellbar. In Cyberpunk 2077 wurde der Soundtrack zu einem vollwertigen Teil der Kultur der Stadt: Das Radio spielt praktisch überall, Musik begleitet Schießereien, Autofahrten und die wichtigsten Handlungsmomente.
Die Originalmusik von P.T. Adamczyk, Marcin Przybyłowicz und anderen Komponisten kombiniert aggressive Elektronik, industrielle Rhythmen und düstere Synthesizer-Themen. Eine eigene Geschichte sind die fiktiven Musikgruppen und Radiosender, für die echte Künstler Songs speziell für die Welt des Spiels aufgenommen haben. Dadurch entsteht das Gefühl, als ob Night City tatsächlich ein eigenes Musikleben hätte.
Red Dead Redemption 2
Komponist: Woody Jackson
Musikgenre: Neo-Western, akustischer Folk, interaktive Musik
In Red Dead Redemption 2 ist die Musik eng mit dem eigentlichen Reisegefühl verbunden. Die riesige Spielwelt zwingt den Spieler oft dazu, einfach nur zu Pferd durch Prärien, Berge und kleine Siedlungen zu reiten, und genau in solchen Momenten entfaltet sich der Soundtrack besonders gut.
Woody Jackson verwendet Gitarren, Banjo, Mundharmonika und andere Instrumente, die man mit dem amerikanischen Westen verbindet. Dabei wird die Musik nicht einfach an bestimmten Orten eingeschaltet – sie ändert sich dynamisch in Abhängigkeit vom Geschehen. Eine ruhige Fahrt kann sich allmählich in eine angespannte musikalische Szene während einer Verfolgungsjagd oder Schießerei verwandeln.
Und einzelne Songs, die in Schlüsselmomenten der Geschichte auftauchen, können sich buchstäblich zusammen mit den Ereignissen, die sie begleiten, im Gedächtnis festsetzen.
Elden Ring
Komponisten: Yuka Kitamura, Tsukasa Saitoh, Shoi Miyazawa u.a.
Musikgenre: Dunkles Epic-Fantasy, Symphonieorchester, Chor
Elden Ring verwendet Musik vor allem, um ein Gefühl von Größenordnung zu erzeugen. Riesige Bosse, uralte Götter und zerstörte Königreiche sollen als etwas wahrhaft Großartiges wahrgenommen werden – und der orchestrale Soundtrack erledigt diese Aufgabe ausgezeichnet.
Laute Chöre, schwere Schlaginstrumente, Streicher und Blechblasinstrumente verwandeln viele Kämpfe praktisch in musikalische Spektakel. Dabei haben große Bosse oft eigene musikalische Themen, die helfen, ihren Charakter und ihre Geschichte hervorzuheben.
Die Musik sagt dem Spieler hier nicht einfach: "Vor dir steht ein schwieriger Gegner." Sie erzeugt das Gefühl, dass vor dir ein Wesen steht, das eine ganze Ära überlebt hat.
Doom Eternal
Komponist: Mick Gordon
Musikgenre: Extreme Metal, Industrial, Djent
Wenn Journey Musik für eine ruhige emotionale Reise verwendet, macht DOOM Eternal praktisch das Gegenteil. Hier braucht man den Soundtrack, um den Spieler dazu zu bringen, sich schneller, aggressiver und ohne Unterbrechung zu bewegen.
Mick Gordon vereinte schwere Gitarrenriffs, Djent, Industrial, Synthesizer und aggressive elektronische Effekte. Die Musik synchronisiert sich perfekt mit dem Kampfsystem: Wenn Dutzende von Dämonen auftauchen, treibt die Klangspur einen buchstäblich dazu an, den Angriff fortzusetzen.
Dadurch wird die Musik zum Teil des Gameplays. Es ist schwer, sich DOOM Eternal ohne diese wilden Riffs vorzustellen – sie sind praktisch eine weitere Waffe des Slayer.
Hollow Knight
Komponist: Christopher Larkin
Musikgenre: Neoklassik, Kammerorchester, Ambient
Der Soundtrack von Hollow Knight funktioniert völlig anders. Statt ständiger Anspannung verwendet Christopher Larkin kammermusikalischen Klang, Klavier, Streicher und weiche Orchesterparts und erzeugt so ein Gefühl von Schönheit in einer längst untergegangenen Welt.
Jedes Gebiet von Hallownest erhält seine eigene musikalische Stimmung. Irgendwo klingen die Kompositionen geheimnisvoll und beunruhigend, irgendwo – traurig und fast friedlich. Dadurch fühlt sich die Erkundung des Königreichs nicht einfach wie ein Wechseln zwischen Orten an, sondern wie eine Reise durch die Überreste einer einst lebendigen Welt.
Genau diese Mischung aus Melancholie und Schönheit macht den Soundtrack von Hollow Knight so einprägsam. Es gibt praktisch kein Gefühl von überflüssiger Musik – jede Komposition existiert, um einen bestimmten Ort oder Moment hervorzuheben.
Musik, die Teil des Spiels wird
Alle diese Projekte haben einen völlig anderen Ansatz zur Musik. DOOM Eternal verwendet sie für Adrenalin, Journey – für eine emotionale Reise, Silent Hill 2 – für Angst und Melancholie, und Disco Elysium macht den Soundtrack zu einer weiteren Stimme seiner Welt.
Genau deshalb bleiben die besten Spielsoundtracks nicht weniger gut in Erinnerung als Charaktere und Handlungsszenen. Manchmal reicht es, die ersten paar Sekunden einer vertrauten Komposition zu hören, um sich wieder in Night City, Hallownest, Revachol oder irgendwo mitten in den Wüsten von Red Dead Redemption 2 zu befinden.
Gute Musik begleitet das Spiel. Große Musik lebt getrennt von ihm weiter.









