
GTA 6: Was die neue 26-minütige Demo gezeigt hat
Am 27. August veröffentlichte Rockstar Games Grand Theft Auto VI: An Extended Look – die bisher größte offizielle Präsentation des Spiels. Das Video dauert 26 Minuten und 48 Sekunden und wurde vollständig auf einer Standard-PlayStation 5 aufgezeichnet. Das Original kannst du auf der offiziellen Rockstar-Website oder auf YouTube ansehen.
Allerdings ist es nicht ganz korrekt, das Video als vollwertige "Gameplay-Demo" zu bezeichnen. Es handelt sich um einen Zusammenschnitt aus Gameplay, inszenierten Szenen und Zwischensequenzen. PC Gamer merkt auch an, dass es bei einigen Episoden schwierig ist, eindeutig zwischen Gameplay und Inszenierung zu unterscheiden.
Genau deshalb liegt das Hauptinteresse nicht auf den schönen Schießereien, sondern auf den Systemen, die Rockstar gezeigt oder Journalisten nach der Vorführung erläutert hat.



Es ist wirklich nicht nur eine verbesserte GTA 5
Das Spannendste an GTA 6 ist die Anzahl der Systeme, die Rockstar miteinander zu verknüpfen versucht.
Auf den ersten Blick sind viele Elemente aus früheren Spielen bekannt. Du kannst schießen, Autos klauen, vor der Polizei flüchten und zwischen den Helden wechseln. Aber nun sollen die Handlungen des Spielers mehr Konsequenzen haben.

Anstelle des einfachen Schemas "Verbrechen begangen → Sterne bekommen" gibt es nun ein separates Criminal Profile. Es bewertet, wie brutal und rücksichtslos der Spieler handelt. Die bloße Existenz dieses Profils vergleicht Rockstar eher mit der Weiterentwicklung von Systemen aus Red Dead Redemption 2, obwohl es sich nicht um eine einfache Gut/Böse-Skala handelt. Übermäßige Gewalt kann das Profil verschlechtern, während ein vorsichtigeres Verhalten es erlaubt, ein professioneller Krimineller zu bleiben.
Das heißt, GTA 6 entfernt sich allmählich vom klassischen GTA-Ansatz, bei dem der Spieler auf der Straße Chaos anrichten und es wenige Minuten später völlig vergessen konnte.
GTA 6 übernimmt vieles aus Red Dead Redemption 2
Der Einfluss von RDR 2 ist nicht nur in der Atmosphäre spürbar.
Das Spiel bringt die Idee einer lebendigeren Interaktion mit NPCs zurück. Charaktere können auf die Handlungen des Spielers reagieren, und Rockstar hat die Anzahl der Animationen und Verhaltensmuster deutlich erweitert.
Laut Rockstars Art Director Aaron Garbut werden in GTA 6 über 600.000 Animationen verwendet – deutlich mehr als in GTA V und Red Dead Redemption 2. Ein eigenes Team war für die NPCs zuständig, wobei die Charaktere nicht einfach prozedural zusammengesetzt wurden: Die Entwickler haben ihr Aussehen und die Details ihrer Umgebung von Hand ausgearbeitet.
Es gibt auch alltäglichere Mechaniken. Ernährung und Training beeinflussen die körperliche Verfassung der Charaktere, und das Training im Fitnessstudio bringt ein Element zurück, das Fans von San Andreas bekannt vorkommt.



Jason und Lucia haben ein eigenes Beziehungssystem
Dies ist eine der ungewöhnlichsten Besonderheiten von GTA 6.
Jason und Lucia sind nicht einfach zwei Charaktere, zwischen denen man wechseln kann. Sie befinden sich in einer romantischen Beziehung, und Rockstar hat ein separates System geschaffen, das ihre Bindung verfolgt.
Der Spieler kann Zeit miteinander verbringen, Dinge unternehmen, auf Nachrichten antworten und die Beziehung pflegen. Dabei ist der romantische Teil nicht verpflichtend: Wenn der Spieler die Beziehung nicht vertiefen möchte, bleiben Jason und Lucia trotzdem Partner im Verbrechen. Allerdings kann der Grad ihrer Nähe beeinflussen, wie sich die Geschichte entwickelt und welche Dialogzeilen sie verwenden.
Im Extended Look selbst zeigte Rockstar das Paar auch in einem Stripclub. Das ist ein interessantes Detail gerade wegen der Beziehung der Helden: Die Entwickler versuchen offensichtlich nicht, so zu tun, als ob die romantische Verbindung nur in erzählerischen Zwischensequenzen existiert.


Fragen dazu, wie genau Prostituierte, Sexszenen und mögliche gleichgeschlechtliche Interaktionen funktionieren werden, wurden von den Entwicklern bisher jedoch nicht beantwortet.
Autodiebstahl ist endlich nicht mehr nur ein Knopfdruck
Hier macht GTA 6 wirklich einen Schritt nach vorn.
In GTA V konnte man die meisten Autos einfach öffnen und stehlen. Im neuen Spiel haben einige geparkte Fahrzeuge verschiedene Sicherungssysteme.
Für bestimmte Autos werden spezielle Werkzeuge benötigt – zum Beispiel ein Slim Jim oder ein Key Cloner. Über eine App auf dem Handy kannst du ein Fahrzeug prüfen: ob es abgeschlossen ist, ob es einen Alarm, einen GPS-Tracker hat und wie profitabel der Verkauf sein wird.
Der klassische Autodiebstahl mit Fahrer verschwindet dabei nicht. Aber er birgt nun ein zusätzliches Risiko: Der aus dem Auto gezogene Fahrer kann die Polizei rufen.
Noch interessanter ist, dass Autos Kraftstoff benötigen und Elektroautos aufgeladen werden müssen. Diese Information wurde in einer geschlossenen Vorführung von Rockstar bestätigt, obwohl das Tanken im 26-minütigen Video nicht im Detail gezeigt wurde.


Die Polizei versucht jetzt wirklich, dich zu finden
Das ist wohl die gravierendste Gameplay-Änderung.
In GTA 6 kehrt das System nicht mit fünf, sondern mit sechs Sternen zurück, aber nun sind die Sterne selbst bei weitem nicht die ganze Information.
Damit ein Verbrechen überhaupt der Polizei bekannt wird, muss es ein Zeuge sehen, ein Alarm auslösen oder ein anderes Erkennungsmittel anschlagen. Danach erhält die Polizei bestimmte Informationen über den Verdächtigen.
Unter den Sternen erscheinen zusätzliche Angaben: Die Polizei kann dein Aussehen, deine Kleidung, dein Auto und die Tatsache, dass du mit einem Komplizen unterwegs bist, kennen. Daher werden das Wechseln des Autos oder der Kleidung oder die Trennung von Jason und Lucia Teil der Fluchtstrategie.
Wenn die Polizei zum Beispiel ein bestimmtes Auto sucht, kannst du in ein anderes umsteigen. Wenn sie sich deine Kleidung gemerkt hat – dich umziehen. Wenn sie zwei Verbrecher sucht – euch trennen.
Das ist schon viel interessanter als das übliche "hinter der Ecke verstecken und warten, bis die Sterne verschwinden".


Die Charaktere haben jetzt einen Fokus
Ein weiteres neues System, das in der geschlossenen Rockstar-Demo enthüllt wurde, ist Focus.
Es erinnert an eine Mischung aus Dead Eye aus RDR 2 und den Spezialfähigkeiten der Helden aus GTA V. Focus hilft dabei, sich auf wichtige Objekte und Gegner zu konzentrieren, und kann in Kampfsituationen die Wahrnehmung verlangsamen und nützliche Elemente hervorheben.
Im Gegensatz zum alten System der Spezialfähigkeiten scheint Rockstar solche Möglichkeiten stärker mit dem normalen Spielgeschehen verknüpfen zu wollen.


Die Hauptcharaktere können ihr Aussehen nicht nur aus ästhetischen Gründen ändern
Ein weiterer auffälliger Aspekt ist der körperliche Zustand der Charaktere.
Training, Ernährung und Lebensstil können den Körperbau von Jason und Lucia beeinflussen. Das erinnert an San Andreas und setzt gleichzeitig die Realismuslinie fort, die Rockstar in RDR 2 entwickelt hat.

Am wichtigsten ist, dass das Aussehen nun praktische Bedeutung haben kann. Zum Beispiel berücksichtigt das Polizeisystem Kleidung und Aussehen, daher wird die Veränderung des Äußeren Teil der Flucht vor der Verfolgung und nicht nur Kosmetik.
Wie sieht es mit Grafik und Downgrade aus?
Ein bestätigtes grafisches Downgrade gibt es nicht. Mehr noch, das neue Video ist gerade deshalb nützlicher als alte Trailer, weil Rockstar ausdrücklich angab: Der Extended Look wurde vollständig auf einer Standard-PS5 aufgezeichnet.
Im Vergleich zu frühen Trailern sehen einige Szenen tatsächlich anders aus – Beleuchtung, Umgebungsdetails und einzelne Modelle haben sich geändert. Aber einen inszenierten Shot aus Trailer 2 mit einem normalen Gameplay-Moment zu vergleichen, ist nicht korrekt.
Die technische Analyse des veröffentlichten Materials deutet auf etwa 1440p interne Auflösung mit Skalierung auf 4K und etwa 30 FPS hin, allerdings ist die Auflösung eine Schätzung von Digital Foundry und keine offizielle Spezifikation von Rockstar.
Was die Bildrate betrifft, teilten die Entwickler Journalisten mit, dass die aktuellen Konsolen-Builds mit 30 FPS laufen. Ob es zum Release einen vollwertigen 60-FPS-Modus geben wird, ist noch nicht bestätigt. Rockstar hat auch die finale Auflösung oder die Grafikmodi für PS5, PS5 Pro und Xbox Series noch nicht bekannt gegeben.


Rockstar hat die Demo so zusammengeschnitten, dass sie gleichzeitig die Geschichte, die Charaktere, die Welt und einzelne Mechaniken zeigt. Das Video enthält viele inszenierte Übergänge, Dialoge und Zwischensequenzen. PC Gamer beschreibt es direkt als einen Zusammenschnitt aus kurzen und längeren Gameplay-Episoden.
Das Interessanteste zeigte Rockstar nicht im Video selbst
Nach der Premiere veröffentlichten Journalisten Details der geschlossenen Demo, in der die Entwickler das Spiel viel ausführlicher zeigten.
So wurde beispielsweise bekannt, dass der persönliche Durchlauf von Rob Nelson etwa 80 Stunden dauerte. Dazu gehörten die Hauptgeschichte und einige zusätzliche Ziele, die die Erzählung beeinflussen können. Das bedeutet nicht, dass jeder Spieler genau 80 Stunden braucht, aber der Umfang der Kampagne ist beeindruckend.
Rockstar berichtet auch von einer Welt, die etwa dreimal so groß ist wie die Karte von RDR 2, und von einer deutlich dichteren Ausarbeitung von NPCs und Umgebung.
Was bleibt?
Der neue Extended Look überrascht weniger mit einer einzelnen revolutionären Mechanik, sondern zeigt vielmehr den neuen Ansatz von Rockstar für die offene Welt selbst.
GTA 6 nimmt vertraute Elemente aus GTA V und verbindet sie mit Systemen, die Rockstar in Red Dead Redemption 2 entwickelt hat: reaktiven NPCs, Konsequenzen für Handlungen, körperlichem Zustand der Charaktere, komplexeren Beziehungen und Aufmerksamkeit für Details.
Die interessantesten Neuerungen scheinen Criminal Profile, das überarbeitete Fahndungssystem, der komplexere Autodiebstahl, Focus und die Beziehung zwischen Jason und Lucia zu sein.
Gleichzeitig hat Rockstar noch genügend Fragen offengelassen. Unklar sind die finalen Grafikmodi, 60 FPS, viele Details zum Aufleveln der Charaktere und ein großer Teil der Open-World-Mechaniken.
Und das ist wohl die wichtigste Erkenntnis nach 26 Minuten Präsentation: Wir haben GTA 6 endlich in seiner wahren Form gesehen, aber trotzdem bisher nur einen kleinen Teil davon.
